Füssener Heimatzeitung Nr. 159
122 Füssener Heimatzeitung Nr. 159 vom Juli 2018 Erbarmungslos Ja, jetzt war der Christa Franz wütend und schrie und schrie. Dabei entfleuchte seinemMunde auch das eine oder andere nicht ganz so schöne Wort, während er auf die Kinder zurannte und versuchte, die Jungen und Mädchen zu fangen. Die Kinder rannten mit angstgeweiteten Augen davon. Der Christa Franz war nämlich eine imposante Erschei- nung, hochgewachsen, stark und er hatte eine tiefe kräftige Stimme, die wirklich angsteinflößend sein konnte, eigentlich nur noch übertroffen von der Wirkung der Stimme des Hausmeisters der Volksschule Füssen, nämlich des Herrn Mordstein, der es mit einemSchrei schaffte, die ganze Schule mit hunderten von Kindern zum Schweigen zu bringen. Als die Kinder im Spitalhof nun die wü- tenden Schreie hörten, begriffen die christlich vor- gebildeten Kinder sofort, dass das eine empfind- liche Stelle vom Hausmeister sein könnte. Schlau und erbarmungslos, wie Kinder oft sind, schrien sofort einige in dem Wissen um seine fromme Gläubigkeit zurück: „Das ist unchristlich“, „das musst Du beichten“ und „jetzt kommst Du nicht mehr in den Himmel“. Sie rannten dabei weiter. Die Kinder waren schneller. Er bekam keines zu fassen. Der neue Schneeberg Den Hausmeister trafen die Worte der Kinder tiefer, als diese ahnen konnten. Der fleißige und fromme Mann verstummte sogleich, blieb auch gleich stehen und gab die Verfolgungsjagd auf. Er drehte sich um und sah den Hof an. Er hatte Tränen in den Augen. Eine Weile blieb er stehen und bewegte sich gar nicht mehr. Bald stapfte er dann durch den Schnee zu den Schuppen und holte eine blaue Schneehexe heraus. Er hatte sich entschlossen, den Schnee aus dem Hof ganz zu entfernen, auch wenn das noch mehr Arbeit war. An der Südseite des Hofes in Richtung Lech war der Hof durch einen Zaun abgegrenzt. Hinter dem Zaun ging es etwa drei Meter eine senkrechte Mauer hinunter in einen unteren Hof des Spitals. Der Franz schob nun den gesamten Schnee aus dem oberen Hof unter dem Zaun durch und schüttete ihn in den unteren Hof. Als er nach langer Mühsal den ganzen Schnee dort hinunterbefördert hatte, war imunteren Fortsetzung von Seite 121 Fortsetzung auf Seite 124
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