Füssener Heimatzeitung Nr. 159

120 Füssener Heimatzeitung Nr. 159 vom Juli 2018 Schokolade in einer silbernen Verpackung. Beides war für ihn der absolute Sensation, und er genoss jede Kleinigkeit, die er geschenkt bekam. Manche im Alter von Hansi Syrko riefen ein- fach willkürlich „Schuingamm“ zu, wenn Soldaten kamen, ohne, dass sie überhaupt wussten, was es bedeutete. Sie hatten es ein- fach von älteren Kindern abge- schaut und waren dann ganz platt, als sie diese kleinen Dinger zugeworfen bekamen. Ihr Erster Christine erinnert sich noch gut daran, als ihr Papa eines Abends einen Kaugummi mit nach Hause brachte. Es war ein kleines wei- ßes Ding, welches sie nicht so recht einordnen konnte. Ihr wurde nur gesagt, dass sie es so lange kauen solle, bis es weich würde. Sie nahm es in den Mund und war zuerst völlig überfordert. Dann versuchte sie darauf he- rumzukauen. Da dieses Dinge recht hart war und noch dazu nicht sonderlich schmeckte, dau- erte es eine Weile, bis sie Süße und die weichere Substanz des Kaugummis entdeckte. Von da an war sie ein großer Fan davon. Eigentlich gab es damals nur die- se eine Sorte, die nicht sonderlich lang süß blieb, aber sobald der Geschmack nachließ, nahm sie - schwubs - schon den nächsten in den Mund. Diesen ersten Kau- gummi hatte Christines Vater von einem gewissen „Onkel Frost“, der ein Arbeitskollege von ihm war und in der US-Armee hier in Füssen stationiert war, bekom- men. Die damals bekanntesten Kaugummimarken waren Hillery, OK, Pulmoll und Americana. Von der Ausnahme zur Gewohnheit Es war für die meisten Füssener damals ein abenteuerliches Er- lebnis, den Kaugummi kennen- zulernen, und sie genossen das Gefühl, welches sie dadurch er- lebten. In der heutigen Zeit der Globalisierung gibt es solche Überraschungen kaum mehr. Ei- nen Kaugummi zu kauen löst heute bei niemandem mehr ein Gefühl von Aufregung und Neu- gierde aus. Die Menschen sind es gewohnt, alles zu kennen und alles zu haben. Egal, ob das Ob- jekt aus Amerika, aus Japan oder Russland kommt, früher oder später landet es so oder so im Allgäu. Solche wertvollen und aufregenden Gefühle, wie Hansi und Christine sie damals erleb- ten, gibt es heute nicht mehr. Was damals die absolute Aus- nahme war, ist heute der ge- wöhnliche Alltag. Man hört von einem neuen Produkt und kauft es sich. Heutzutage hat jeder Ju- gendliche ständig Kaugummis zur Hand, und kaum ein Mensch kann sich heute noch vorstellen, dass unsere Großeltern Kaugum- mi nicht einmal kannten. ■ Fortsetzung von Seite 119  Ein alter Kaugummiautomat

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