Füssener Heimatzeitung Nr. 159
12 Füssener Heimatzeitung Nr. 159 vom Juli 2018 Die guten „Hausschuah“ Otto Müller und seine Frau Fanny waren „rechte Leut“, wie man in Füssen zu Mitbürgern sagt, die umgänglich, angenehm und or- dentlich waren, die sich redlich um ihren Lebensunterhalt be- mühten und ein gewisses Anse- hen genossen. Andi Möst schwärmt heute noch von seinem Großvater, der ihn öfter mal in Schutz nahm, wenn er „gschä- det” (etwas angestellt) hatte. Ei- nes Tages nämlich hatte er sich mit seinen nagelneuen Haus- schuhen auf denWeg in Richtung Forggensee gemacht und kam einige Zeit später mit schlamm- verschmierten Schuhen wieder in der Schwangauer Straße an. Er konnte sich schon denken, welches Donnerwetter ihm blü- hen wird, würde er jetzt zu seiner Mutter gehen. So entschloss er sich sicherheitshalber für einen kleinen Umweg zu seinem Opa, der nur zwei Häuser weiter wohn- te und bat diesen um Geleit- schutz auf dem Heimweg, damit er mit seinen ruinierten, nagel- neuen Hausschuhen die Schelte der Mutter nicht alleine über sich ergehen lassen musste. In sol- chen Fällen stand der gute Opa, Otto Müller, für seine Enkel stets Gewehr bei Fuß und sie konnten sich seiner Unterstützung gewiss sein. Das Sonntagsritual Im Laufe der Jahre ging es der Familie Müller besser und man konnte sich dann schon das eine oder andere leisten, was für alle eine große Freude war. Dies zeigte sich in dem sonntäglichen Fa- milienausflug, der über viele Jah- re hinweg, Woche für Woche, ins Restaurant Waldmann im Alter- schrofen unternommen wurde. Dieser Ausflug war für die ganze Familie wie ein kleines Ritual. Jeden Sonntag liefen die Müllers nach dem Mittagessen von der Schwangauer Sraße in den Al- terschrofen, wo es dann immer für zwei Kinder miteinander einen Sprudel undWienerle zum Essen gab. Und als die Enkel heran- wuchsen, lagen am Fenstersims im ersten Stock stets ein paar Stücke Zehnerle. Wenn eines der Enkelkinder vorbeilief und die Oma oder der Opa gerade aus dem Fenster schauten, warfen sie ein Zehnerle hinunter, damit sich die Enkel beim „Eis-Max” (Café von Max Eichhorn in der Schwangauer Straße) eine Bolle Eis kaufen konnten. Die Geschichte mit dem Schwarz-Fischer Eines Tages wurde im Russländle nach einem „Schwarz-Fischer“ gesucht. Das Angeln ohne Schein war strengstes verboten und gleichzeitig war bekannt, dass es da jemanden aus der Schwan- gauer Straße gab, der sich nicht an die Regeln hielt und ohne Er- laubnis im Lech fischte. Die Po- lizei suchte vergeblich nach die- sem Schwarz-Fischer und ahnte nicht, dass es durchaus Men- schen gab, die von ihmwussten. Einer davon war nämlich Otto Müller, der den illegalen Angler jedoch nicht bei der Polizei ver- raten wollte. So hatte er die Idee, diesemwenigstens einen Schreck einzujagen, damit er mit seiner Schwarz-Fischerei endlich mal aufhört und kapiert, dass die Be- hörden schon lange nach ihm Fortsetzung von Seite 8 Postkarte von der Schwangauer Straße in den 50er Jahren
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