Füssener Heimatzeitung Nr. 158

63 Füssener Heimatzeitung Nr. 158 vom Juni 2018  Teller der alten Konditorei Wechner die täglichen Herausforderungen von Backen bis Bedienen. Der gemeinsame Sohn Roland half schon als junger Bub in der Back- stube mit und lernte von Kindes- beinen an die Geheimnisse des Vaters. Auch für ihn war klar, dass er einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Ge- schäft übernehmen wird. Er lernte ebenfalls den Beruf des Konditors und führte das Café zusammen mit seiner Frau Gitta bis zur Schließung des Cafés im Jahre 2011. Mit der Schließung ging auch ein Stückchen Füssener Ge- schichte verloren. Drei Genera- tionen an Wechners hatten das Rathaus-Café geführt und in Füs- sen einen Ort geschaffen, der bis heute noch in vielen Seelen wei- terlebt. Kult und Kunst Auch fanden im Saal über dem Café legendäre Tanzveranstaltun- gen statt, von denen noch heute immer wieder die Rede ist. Eben- falls legendär sind die Kuchen des Cafés, welche weit über die Stadt hinaus bekannt waren und bis heute Kult-Charakter besitzen. Ein kleines Stückchen des alten Rathaus-Cafés lebt in Füssen wei- ter, in Form des traditionellen Wechner-Nuss-Kuchens, der seit 2016 im Bio-Café Baumgarten angeboten wird. Vielleicht können die Leser beim Probieren des Ku- chens noch den Geschmack und die Stimmung des alten Rathaus- Cafés schmecken und spüren. Es ist eine Versuchung wert. Franz Gingele Fast 100 Jahre wurde im Café Rat- haus genossen, gelacht, getrun- ken, philosophiert und visioniert. So wie im Café Greco in Rom Goethe und andere junge auf- strebende Künstler ohne Geld mit Bilder und Schriften bezahl- ten, wie beispielsweise der der bekannte Füssener Maler Franz Gingele, der das Café Rathaus liebte und jeden Tag dort anzu- treffen war. Auch wenn er mal knapp bei Kasse war, konnte und wollte Franz Gingele auf sein täg- liches Ritual, nämlich den Besuch in seinem Lieblingscafé nicht ver- zichten. Wie seine zahlreichen Bilder, die die Innenräume des Rathaus-Cafés schmückten, be- zeugen, ließ er in mageren Zeiten seine Zeche nicht nur einmal an- schreiben und bezahlte immer wieder mal mit einem seiner schö- nen Gemälde. ■

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