Füssener Heimatzeitung Nr. 158

6 Füssener Heimatzeitung Nr. 158 vom Juni 2018 schweren Arbeit wurde durch das Miteinander geteilt und so war sie für alle zu bewältigen. Waschtrommel löste den Waschplatz am Lech ab Ab den 50er Jahren änderte sich das Leben auf der Höllplatte. Es kamen die erstenWaschtrommeln auf den Markt und aufgrund der weiteren Technisierung der Haus- halte wurde der Bedarf, an den Lech zu gehen und dort seine Wäsche zu waschen, immer we- niger. Zuletzt wurden noch Tep- piche im Lech gewaschen, weil es für so große Teile zunächst keineWaschmaschinen gab. Doch auch dies sollte sich spätestens Ende der 50er Jahre ändern und so wurde es auf der Höllplatte von Jahr zu Jahr ruhiger und heute gehören diese legendärenWasch- tage gänzlich der Vergangenheit an. Warum Höllplatte? Doch wie kam es denn eigentlich zum Namen „Höllplatte”, was hatte er zu bedeuten? Das hing zumeinen damit zusammen, dass die Frauen auf der Seite des Lechs im Bereich der Floßergasse auf der Sonnenseite beheimatet wa- ren. Schon ab den frühen Mor- genstunden hatten sie an schö- nen Tagen warme Sonne und ab Mittag war es oft unerträglich heiß, wie in der Hölle. Ganz an- ders war es dagegen für die Da- men auf der gegenüberliegenden Seite, dem „Rußländle” in der Schwangauer- und Tiroler Straße. Bei denen war es um einige Grade kälter, und daher kamen sie erst am Nachmittag in den Genuss der wärmenden Sonne. Zum an- deren gab es aber böse Zungen – die bekanntlich meist dieWahr- heit sprechen – dass die Weiber auf der Höllplatte einfach viel schlimmer und böser waren als die Rußländlerinnen, und der Name der Höllplatte auf sie und ihre Lästereien zurückzuführen ist. Auch wenn die Männer die bevorzugten Läster-Objekte der Höllplattenweiber waren, mach- ten die Frauen auch vor sich sel- ber nicht halt. Wer beimWaschen nicht da war, hatte Pech gehabt, denn über abwesende Frauen wurde besonders gerne herge- zogen. Da kann man sich schon vorstellen, dass es sich für Au- ßenstehende ganz schön „höl- lisch” und angsteinflößend an- fühlen konnte, wenn man in das Revier dieser Frauen kam und man nicht wußte, was einem bei diesen „leidenschaftlichen” Da- men, wie sie sich selber beschö- nigend bezeichneten, widerfahren konnte. Um die Eingangsfrage, wo denn nun genau die Höllplatte in Füssen ist, zu beantworten, darf noch erwähnt werden, dass zuerst lediglich der Waschplatz im Lechbett als Höllplatte be- zeichnet wurde. Später gehörte zur Höllplatte die Wiese zwischen Unterer Spitalgasse (heutige Flo- ßergasse) und Lech, da dort die Wäsche zumTrocknen aufgehängt wurde. Und nochmals später wur- de die Höllplatte auf die ganze Floßergasse ausgeweitet. ■  Die „Steffele“ am Lech an der Floßergasse Fortsetzung von Seite 5

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