Füssener Heimatzeitung Nr. 158
188 Füssener Heimatzeitung Nr. 158 vom Juni 2018 gräberfeldes von Schwangau- konnte die Gründung des heuti- gen Ortes Schwangau offenbar auf kurz vor oder um das Jahr 600 n. Chr. zurückgeführt werden. Die Siedlung konnte damals höchstens ein bis zwei Höfe um- fasst haben und war etwa ebenso groß wie das gleichzeitig ent- standene, benachbarte Roßhaup- ten, dessen ältester Friedhof im Jahr 1968 untersucht werden konnte. Doch anders als in Roß- haupten, welches das ganze 7. Jahrhundert hindurch als Einzel- hof existierte, stieg in Schwangau die Einwohnerzahl in der zweiten Jahrhunderthälfte sprunghaft an. Vierzig der ungefähr fünfzig Män- nergräber des Gräberfeldes ge- hörten diesem Zeitraum an. Ärmliche Verhältnisse Aus der spärlichen Grabausstat- tung in diesen Männergräbern lässt sich schließen, dass der Reichtumder Menschen allenfalls durchschnittlich war. Verglichen mit Grabfunden des mittelschwä- bischen Raumes oder des Do- nautales, waren die Funde in Schwangau fast ärmlich zu nen- nen. Diese Verhältnisse blieben von der Ortsgründung bis um das Jahr 700, von wo an soziale Ver- änderungen nicht mehr erfassbar sind. Frauengräber Auch die Gräber der Frauen des „Alemannenfriedhofs“ zeugen von Durchschnittlichkeit und feh- lendemWohlstand. Aus dem viel- fältigen Schmuckangebot, wel- ches die Tracht einer wohlhaben- den Frau des 7. Jahrhunderts zu- ließ, fand sich nur wenig in den Gräbern der früheren Schwan- gauerinnen. Wadenbindengarni- turen, welche in den Gräbern vom Alemannenweg gefunden wurden, waren, statt wie bei wohl- habenden Menschen zu der Zeit aus Silber, nur aus silbertau- schiertemEisen oder aus schwach versilberter Bronze. Bajuwaren oder Alamannen? In den Gräbern mit den Nummern 38 und 59 wurden eiserne, sil- bertauschierte Wadenbindengar- nituren gefunden, welche geläufig auf bajuwarischem Gebiet vor- zufinden waren. Zusätzlich mit im Grabe gefundenen Körbchen- und Schleifenohrringen weisen sie auf damalige bairische Trach- ten hin. Nun stellt sich die Frage, ob die Gründerväter Schwangaus nicht doch bajuwarischer Abstam- mung waren. Doch gilt hier ein- zuwenden, dass die Ansiedlung Fortsetzung von Seite 187 Fundsachen aus dem Alemannenfriedhof in Schwangau aus „Das alamannische Reihengräberfeld in Schwangau, Landkreis Ostallgäu“ von Walter Bachran
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