Füssener Heimatzeitung Nr. 158
165 Füssener Heimatzeitung Nr. 158 vom Juni 2018 Ein Brunnen bringt die Frische der Bergwelt mitten in die Stadt Auch unsere Kleinsten profitieren von den Brunnen denkt, in denen Brunnen nur de- zentrale oder gar keine Plätze einnehmen, kann man spüren, dass sie häufig trist wirken und ihnen ein wesentliches Herzstück fehlt. Der neue Füssener Stadtbrunnen Der heutige Füssener Stadtbrun- nen wurde 1968 von dem Bild- hauer Alois Vogler (geb. 1934 in Buching, heute wohnhaft in der Füssener Klosterstraße) gebaut. Alois Vogler setzte sich damals als einer von zehn Bewerbern für den Auftrag durch. Bei der Brun- nenfigur entschied er sich für den Heiligen Magnus, der den Drachen als Symbol des Bösen mit einer Lanze ersticht. Der Hauptgrund für seine Entschei- dung war allerdings, dass der Heilige Magnus, nachdem er aus St. Gallen ausgewandert war, lan- ge Zeit, bis zu seinem Tod, in Füssen lebte. Der Heilige Magnus ist der bedeutendste Heilige Füs- sens. Da schien es Alois Vogler wohl passend, den bedeutend- sten Brunnen Füssens mit ihm zu schmücken. Der vorherige, alte Stadtbrunnen, welcher im gotischen Stil gebaut war, wurde 1965 abgebrochen, um dem an- steigenden Autoverkehr, der da- mals noch durch die Reichen- straße führte, Platz zu schaffen. Drei Jahre später wurde der neue Stadtbrunnen am Gedenktag des Hl. Magnus, am 06. September 1968, dann offiziell eingeweiht. Reine Wasserverschwendung? Brunnen haben, seitdem Trink- wasserrohre in jedes Haus verlegt wurden, keinen praktischen Nut- zen mehr für die Bewohner der Städte. Wer sich deshalb Sorgen um den sinnlosen Wasserver- brauch macht, kann beruhigt sein. Das Wasser in den Zier- brunnen wird von einer Umwälz- pumpe bewegt. Diese hält nur das Wasser, welches ohnehin schon im Brunnen ist, in Bewe- gung. Frisches Wasser muss nur geringfügig hinzugegeben wer- den, um das verdunstete Wasser zu kompensieren. Brunnen spenden Leben Brunnen sind Bauten, von denen sich die Menschen subtil ange- zogen fühlen. Fragt man Men- schen nach der Wirkung von Brunnen auf sie, so fallen die Urteile so gut wie immer positiv aus. Kaum einer kann jedoch ge- nau erklären, was es ist, das ei- nen bei einemBrunnen so positiv berührt. Das Plätschern und die Nähe von Wasser, wie auch das angenehme Klima um einen Brun- nen sind Faktoren, die sicher im- mer eine Rolle spielen. Doch viel- leicht ist es noch mehr, was diese Liebe zu Brunnen ausmacht. In der Vergangenheit waren Brunnen lebenswichtige Bestandteile einer Stadt. Jeder musste sich von dort Trinkwasser undWasser zumWa- schen besorgen. Brunnen sind für Menschen schon seit Jahr- tausenden Lebensspender. Viel- leicht hat sich diese Assoziation durch unsere Ahnen in uns ver- ankert und wurde so auch an uns weitergegeben. So erleben wir Brunnen auf einer tiefen Ebe- ne vielleicht auch als etwas Le- bensspendendes. Schon damals waren Brunnen in den Städten soziale Mittelpunkte. Dort trafen sich die Frauen der Stadt zum Waschen und ratschten dabei über die jeweiligen Neuigkeiten aus ihrer Heimat. ■
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