Füssener Heimatzeitung Nr. 158
127 Füssener Heimatzeitung Nr. 158 vom Juni 2018 200 Jahre in der Schule Wenn ich vor den zwei giganti- schen Buchen auf dem Baum- garten stehe, die, als wären sie ein unerschütterliches Geschwis- ter- oder Liebespaar, dort wach- sen, kann ich sofort nachemp- finden, weshalb diese Baumart „Mutter des Waldes“ genannt wird. Die Buchen haben es mir schon immer angetan. Ist ihre Rinde nicht die eleganteste, sind ihre Blätter nicht die schönsten? Egal in welcher Jahreszeit, ob im Frühling mit dem sanften Hellgrün oder im Herbst mit der vielfäl- tigsten Farbenpracht an den Äs- ten, zieht sie immer meine Auf- merksamkeit und Zuneigung auf sich. Ich möchte Ihnen diese mei- ne Lieblingsbaumart etwas näher bringen. Doch wie? Am besten mit einem konkreten Beispiel, das man selber betrachten, be- obachten und erforschen kann. Nach diesen zwei gigantischen Bäumen fallen mir sofort ihre vie- len Sprösslinge ein, die dicht an- einander und dicht an dem Mut- terbaum wachsen. Über diese überlebenswichtige Mutter-Kind Beziehung will ich nun ein wenig schreiben und einen kleinen Ein- blick geben, was Buchenkinder so lernenmüssen, etwa 200 Jahre lang. Fingerspitzengefühl Vor über 100 Jahren wurde der Baumgarten, so wie wir ihn heute kennen, bepflanzt und die damals noch kleinen Buchen wuchsen so vor sich hin und jede streckte ihre Wurzeln aus, um „befreun- dete“, also artgleiche Bäume, anzutreffen. Mit den Spitzen ihrer Wurzeln können Bäume nämlich fühlen, viel sensibler als wir mit unseren Fingerspitzen. Erkennt ein Baum die Wurzel des anderen als eine artgleiche, verschmilzt er mit ihr und wächst mit ihr zu- sammen. So können sie sich ge- genseitig Informationen zuschi- cken oder Zuckerwasser austau- schen, welches die Bäume zum Überleben brauchen. Pauken, pauken, pauken Aus den beiden Buchen wurden mehr als stattliche Bäume, die kein Sturm mehr so leicht um- schmeißen kann. Ihre Rinde zeigt schon tiefe Furchen auf. Um sie herumwachsen bereits hunderte ihrer Nachkommen, sie alle sind mit ihren Mutterbäumen über die Wurzeln verbunden und lernen von ihnen, wie sie wachsen müs- sen, um auch einmal so alt zu werden wie sie. Da die kleinen Bäume durch das geringe Licht selber kaum Fotosynthese be- treiben und dadurch weniger le- benswichtiges Zuckerwasser her- stellen können, werden sie durch Wurzelverwachsungen mit den Mutterbäumen von ihnen regel- recht gestillt. Dass sie imSchatten ihrer Mutterbäume mit nur wenig Gerade wachsen will gelernt sein! Fortsetzung auf Seite 128
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