Füssener Heimatzeitung Nr. 158
114 Füssener Heimatzeitung Nr. 158 vom Juni 2018 mancher alte Füssener wird sich vielleicht fragen, was denn der Stempel sein soll, auch auf dem Stadtplan findet man ihn nicht verzeichnet, da muss man wohl schon bestimmten Jahrgängen angehören, aber denen wird er noch ein Begriff sein, ... Der Treffpunkt für die Füssener Jugendlichen Der Stempel - das ist eine kleine Säule an der Südwand des Hau- ses Reichenstraße 1 (auch damals schon der „Sport-Keller“), der bautechnisch wohl die darüber- liegenden Erker mit denMalereien aus den 30er Jahren abstützen soll. Und weil an der Unterseite der Säule ein Schlussstein thront, der so breit ist, dass man sich auf beiden Seiten noch bequem hinsetzen kann, hatte irgendje- mand den Begriff „Stempel“ ge- prägt, der unter uns Jugendlichen bald in aller Munde war und zum Synonym für „den“ Treffpunkt wurde. Eine Flut von Erinnerungen Da stand ich nun, mit meinen fast 60 Jahren, und vor meinem inneren Auge rief der unschein- bare Stempel plötzlich eine Flut von Erinnerungen wach, ... Zum ersten Mal hörte ich vom Stempel, alsmeine damalige bes- te Freundin, die in unheimlich coolen Füssener Musikerkreisen verkehrte, mich ganz lässig auffor- derte, am Abend doch auch mal beim „Stempel“ vorbeizuschau- en, da könne man immer jemand Interessanten treffen. Nach er- folgter Aufklärung, wo sich der Stempel denn befinde, wagte ich mich also am darauffolgenden Abend (selbstverständlich in mei- ner coolsten Schlaghosen-Jeans) in die Nähe des Stempels, traute mich aber erst richtig heran, als sich auch meine Freundin dort eingefunden hatte. Alle waren unheimlich lässig drauf, der eine oder andere rauchte, man ratsch- te, einer hatte sogar eine Gitarre dabei und spielte die neuesten Cat Stevens-Hits - einfach Wahn- sinn! Und ganz nebenbei konnte man damals auch noch einen Blick auf das aktuelle Kinopro- gramm werfen, ... heute ja leider nicht mehr. Er wurde zu einer Art Heimat Und so wurde der Stempel für mich, wie für viele andere Ju- gendliche damals auch, zu einer Art Heimat. Zu den einschlägigen Zeiten war eigentlich immer ir- gendjemand da, und wenn nicht, dann hatte man wenigstens die Fortsetzung von Seite 113 Der heutige Vorplatz vom Stempel war mal Treffpunkt der Füssener Jugendlichen
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